Aalpost Inhalt | Aalpost 1989-1999
Aalpost 1979-1989
Aalpost 1988:

Kommerzielle Aalaufzucht in Deutschland

Ist die Aalaufzucht ein rettender Strohhalm für in Not geratene Landwirte? Ist sie ein Weg zur schnellen Mark für Geldanleger? Oder ist sie ein wirtschaftliches Abenteuer mit der Betonung auf 'teuer'? — Vier- bis fünftausend Tonnen pro Jahr oder rund 80 % aller in Deutschland verkauften Speiseaale werden importiert; über 300 t davon sind Farmaale aus Italien. Warum werden nicht mehr Aale im Land erzeugt? Bei uns muß, im Gegensatz zu den klimatisch begünstigten Mittelmeerländern, das Wasser künstlich erwärmt werden: Entweder durch Nutzung industrieller Abwärme (Kühlwasser) oder in Kreislaufanlagen, bei denen das erwärmte Wasser geklärt und im System gehalten wird.

Der Gewinn wächst nicht 'von selbst'

Je komplizierter das Verfahren, desto teurer ist es. Und die Anlagen, die jahrelang einwandfrei rund um die Uhr laufen müssen, verursachen hohe Instandhaltungskosten und hohen Überwachungsaufwand. Infektionskrankheiten (z.B. Rotseuche) sind nur dort ein Problem, wo Anlagen mit Wasser aus Flüssen versorgt werden, in denen diese Krankheiten vorkommen. Haut- und Kiemenparasiten sind in der Regel auch unter Kontrolle zu halten. Aber das gilt für erfahrene Betreiber — Anfänger können durch einen einzigen Irrtum oder Fehler den ganzen Bestand verlieren.

Wer akzeptiert das Risiko?

In der Bundesforschungsanstalt für Fischerei laufen die Erfahrungen über Aalaufzucht zusammen. Die Experten hier knausern nicht mit ihrem Wissen. Sie haben 1987 zwei Veranstaltungen für insgesamt ca. 80 Interessenten durchgeführt. Die Aalpost zieht daraus folgende Bilanz: Künftige Aalfarmer müssen zunächst fünf- oder sechsstellige Beträge investieren. Das Risiko ist mangels ausreichender verläßlicher Informationen z.Z. noch nicht beschreibbar. Eine mit Verlust betriebene Anlage läßt sich kaum verkaufen. Bis die Aalaufzucht zum kalkulierbaren Geschäft wird, kann es noch einige Jahre dauern.

Die Experten sind am Zuge

Seit Jahren arbeiten einige Aalaufzucht-Betriebe eng mit der Bundesforschungsanstalt für Fischerei zusammen. Zwar äußert sich Diplombiologe Harald Koops schon gedämpft optimistisch, aber eine allgemein brauchbare Lösung sieht er noch nicht. Man tut gut daran, die laufenden Betriebe als Pilotprojekte anzusehen und noch zu warten.

Aalaufzucht ist auf zwei Ebenen möglich:

1. Vorstrecken von Glasaalen zu Besatzzwecken
a) für natürliche Gewässer, b) für Speisefisch-Farmen

Die Aufzucht vom Aalbrut zu Besatzfischen von 5 bis 10 Gramm Gewicht erfordert eine kleine Anlage mit entsprechend geringeren Kosten. Aber Glasaale sind Wildfänge; sie müssen eine Quarantäne durchlaufen, sind an die Futter- und Temperaturverhältnisse erst zu gewöhnen.

2. Erzeugung von Speiseaalen
a) aus Glasaalen, B) aus vorgestreckter Aalbrut

Die Aufzucht der vorgestreckten Aalbrut auf Speisefisch-Größe ist leichter, was den Umgang mit den Fischen betrifft. Aber die Anlage für größere Fische muß deutlich größer sein — mit entsprechend höheren Kosten.

Aalpost 1987:

Anguillicola — ein 'neuer' Aalparasit

Eine hier bisher unbekannte Parasitenart ist aus Fernost eingewandert. In unseren Binnengewässern scheinen Aale dadurch nicht ernstlich beeinträchtigt zu sein. Anguillicola crassus ist ein Parasit aus der Gruppe der Nematoden (Rund- oder Fadenwürmer), der in der Schwimmblase des Aals lebt und Blut aus der Schwimmblasenwand saugt. Wegen seines prall mit Blut gefüllten Darms erscheint der Schmarotzer dunkelbraun bis schwarz. Geschlechtsreife Weibchen sind 15 bis 38 mm, die Männchen 13 bis 16 mm lang. Nach japanischen Untersuchungen legen erwachsene Würmer ihre Eier in der Schwimmblase ab, wo auch die Larven schlüpfen. Diese gelangen durch die Verbindung der Schwimmblase zum Darm in den Verdauungskanal und ins freie Wasser. Hier werden sie von Ruderfußkrebsen (Süßwassercopepoden) aufgenommen. Wird der Copepode von einem Aal verschluckt, durchdringt die Larve die Darmwand des Aals, wandert durch die Bauchhöhle zur Schwimmblase und bohrt sich in die Schwimmblasenwand ein. Hier vollzieht sich die letzte Häutung, bevor der Jungwurm in die Schwimmblase eindringt und in 4 bis 5 Monaten zum geschlechtsreifen Tier heranwächst. Der Zyklus dauert etwa ein Jahr.

Bisher war die Gattung Anguillicola nur aus Ostasien und Australien bekannt. Der Parasit ist bei 10 bis 40 % der japanischen Farmaale zu finden. Da der Wurm dort schon seit längerer Zeit vorkommt, scheint sich ein Gleichgewicht zwischen Wirt und Parasit eingestellt zu haben. In Europa wird die Nematodengattung erstmals 1982 als Aalparasit erwähnt; sie wurde gleichzeitig in norditalienischen Zuchtbetrieben und in freien Gewässern des Weser-Ems-Gebietes gefunden. Vermutlich wurde Anguillicola mit lebenden Aalen eingeschleppt. Der Parasit hat sich mit großer Geschwindigkeit ausgebreitet. Die bisher höchste Befallsrate von etwa 90 % wurde bei jüngsten Untersuchungen in der Havel bei Berlin festgestellt. Berichten zufolge war Anguillicola ebenfalls mit erheblichen Befallsraten in der Mosel und im Rhein zu finden. Als höchster Befall wurden 44 Parasiten in einer Schwimmblase gefunden — Männchen, Weibchen und Jungwürmer. Da die Schwimmblase mit den inneren Organen vor der Verarbeitung der Aale entfernt wird, besteht für Konsumenten keine Gesundheitsgefährdung.

Aalpost 1986:

Stirbt der Aal aus?

Seit einigen Jahren liegen die Glasaalfänge unter dem Durchschnitt, in Herbrum an der Ems wie auch in den wichtigsten europäischen Lieferländern. Acht europäische Länder melden seit 1982 rückläufige Fänge. Die Larvendichte in der Biscaya und vor Gibraltar war im Durchschnitt der Jahre 1982-84 niedriger als 1971-77. Sollte es sich tatsächlich um einen Rückgng der Aalbestände handeln, werden verschiedene Erklärungsmöglichkeiten diskutiert:

1. Es mangelt an Elterntieren, weil zu viele Aal gefangen werden

Dagegen steht: Der Aalbestand ist in vielen Gewässern höher als vor 20 oder 40 Jahren. Praktisch alle Fließgewässer werden mit Aal besetzt. Es gibt keine aktive Befischung im ganzen Bereich: Nicht nur in Mitteleuropa leben Aale, sondern z.B. auch in Skandinavien, Schottland und Irland, wo sie wenig befischt werden. Die Fangintensität ist gebietsweise sogar rückläufig, z.B. in deutschen Flüssen. Größere Bedeutung als der Aalfang dürften allerdings Verluste durch Turbinenschäden bei abwandernden Blankaalen haben.

2. Die Bedingungen für das Schlüpfen und Aufkommen haben sich verändert

So könnten schlechtere Nahrungsbedingungen im Laichgebiet bestehen, oder die Strömungsverhältnisse zwischen Laichgebiet und europäischem Schelf könnten sich für die Wanderung der Larven nachteilig verändert haben.

3. Durch Schadstoffe ist die Fortpflanzungsfähigkeit des Aal gestört

Der Aal speichert mit fortschreitendem Alter Fett in seinem Körper. Einige Schadstoffe lagern sich vor allem im Fettgewebe ab. Auf seiner Laichwanderung baut der Aal das Fettdepot ab, die gespeicherten Schadstoffe werden frei. Weil sich gleichzeitig die Geschlechtsorgane entwickeln, wäre ein Übergang der im Körper freiwerdenden Schadstoffe in die Gonaden in kritischer Höhe denkbar. Dagegen steht: Eine Vielzahl von Gewässern ist nicht oder nur geringfügig schadstoffbelastet.

Soweit in Kürze die plausibelsten Vermutungen. Keine ist zu verwerfen, keine als 'richtig' anzuerkennen. Wir sind auf Spekulationen angewiesen.

Aalpost 1986:

Unser neuer Präsident

Nach 11 Jahren gab der bisherige Präsident des Deutschen Fischerei-Verbandes, Dr. Klaus Bahr, sein Amt 76jährig aus Altersgründen ab. Herzlichen Dank an unseren 'Alt-Präsidenten', der stets auch für die Aalversandstelle da war!

Neuer Präsident ist Peter Harry Carstensen. Der 1947 geborene Dipl.-Agraringenieur und Landwirtschaftslehrer ist (CDU-)Mitglied des deutschen Bundestages im Wahlkreis Nordfriesland Dithmarschen.

Aalpost 1985:

Aalfang mit Methode

Zahlreiche Methoden und Fangtechniken haben sich in verschiedenen Landschaften und Gewässertypen als brauchbar erwiesen. Die Frage nach dem richtigen Fanggerät und der richtigen Methode ist ein Dauerthema; die Aalpost hat einmal die wichtigsten knapp beschrieben und nebeneinandergestellt.

Verschiedene Reusen-Arten (Abbildung)

Reusen, auch als 'Aalkörbe' bezeichnet, sind leicht zu handhaben und deshalb wichtige Geräte für die Berufsfischerei. Der Fangerfolg hängt entscheidend von der Erfahrung und der Ortskenntnis des Fischers ab. Wegen möglicher Diebstähle des Fanges sind Reusen nicht unproblematisch.

Schleppnetz, Zugnetz (Abbildung)

Mit der Entwicklung geeigneter Winden hat sich die Zugnetzfischerei durchgesetzt, größere Aalzugnetze sind 100 bis 500 Meter lang. Geschleppte oder gezogene Netze sind in Norddeutschland zum wichtigsten Instrument der Bewirtschaftung von Aalbeständen geworden. In Süddeutschland sind sie (u.a. wegen zersplitterter Fischereirechte) selten einsetzbar.

Aalschokker, Aalhamen (Abbildung)

Schokker und Hamen sind bewährte Geräte, um Blankaale in großen Flüssen zu fangen. Eine Besonderheit ist der Scherbretthamen, der an der Elbe entwickelt wurde und auch auf anderen Flüssen erfolgreich arbeitet.

Die Grundangel (Abbildung)

Fischen mit der Angel ist ein beliebter Sport; die Anglerzeitschriften berichten ausgiebig darüber. Für Berufsfischer hat die Angel als Fanggerät gegenwärtig keine Bedeutung.

Aalschnur (Langleine), Aalkorb (Abbildung)

Die traditionelle Aalschnur hat keine ausreichend selektive Wirkung, darum werden auch kleinere Aale gefangen, die nicht räucherbar sind. Beköderte Aalkörbe haben wegen hohen Arbeitsaufwandes und der Diebstahlgefahr an Bedeutung verloren.

Elektrofischerei (Abbildung)

Die Elektrofischerei dient lediglich als Ergänzung zu konventionellen Fangmethoden. Die E-Fischerei arbeitet selektiv; je größer der Fisch, desto mehr kommt der Strom zur Wirkung. Wer das E-Gerät zu oft benutzt, fängt deutlich weniger.

Stationäre Fanganlagen (Abbildung)

Wie das E-Gerät ist auch die stationäre Fanganlage am Auslauf eines Gewässers zur 'Volkszählung' gut geeignet. Die meisten Fachleute sind sich einig, daß der Einsatz von selbsttätigen Fangvorrichtungen für die Aalbewirtschaftung von Vorteil wäre; aber ihre Wirkung wird möglicherweise überschätzt: Für die Bewirtschaftung eines Sees reicht die stationäre Fanganlage allein nicht aus.

Aalpost 1985:

Die Ostsee ist sauberer als das Mittelmeer

Beide Meere sind etwa der gleichen Umweltbelastung ausgesetzt. Wegen besserer (Abwasser-)Reinigungsanlagen an der Ostsee ist diese aber nur etwa halb so stark verschmutzt, Das erklärte Prof. Olof Lindberg von der schwedischen Unversität Umeå.

Aalpost 1985:

Binnenfischerei in der Statistik (1981)

Das amtliche Statistische Jahrbuch von 1984 gibt die Zahl der bundesdeutschen Betriebe mit Binnenfischerei wie folgt an (1981):

 
Schleswig-Holstein 265
Niedersachsen 369
Nordrhein-Westfalen 217
Hessen 120
Rheinland-Pfalz 123
Baden-Württemberg 362
Bayern 8.082
Übrige Länder 29
Gesamt 9.567

Aalpost 1984:

Nachwuchs nicht gesichert. Mehr Forschung tut not.

Den französischen Atlantikzuflüssen war bis vor kurzem noch ein unermeßlich scheinender Glasaalsegen beschert. Nur ein kleiner Teil davon kommt den Gewässern als Besatz zugute, sehr große Mengen werden bekanntlich verspeist. Können alle Beteiligten weiter aus dem Vollen schöpfen? Dr. F.-W. Tesch von der Biologischen Anstalt Helgoland antwortet: Leider ist der ausreichende Aalnachwuchs keineswegs gesichert. In der Ostsee zeigt die Statistik schon seit Beginn des Jahrhunderts einen ständigen Rückgang des Aalbestandes an. Während der letzten drei Jahre verringert sich auch der Glasaal-Zugzug im mittleren Teil der europäischen Küsten, insbesondere in Frankreich. Die sinkenden Zahlen des Jungaal-Zuzuges sollte alarmieren und nicht mit der Hoffnung abgetan werden, daß es sich hier um natürliche Bestandsschwankungen handeln könnte. Zahlreiche Gefahren drohen dem Aalbestand:

1. Überfischung und Umweltschäden

2. Belastung der Aale mit Schadstoffen wie Quecksilber und DDT

3. Im Sargassomeer könnten die Umweltbedingungen schlechter geworden sein.

Mit insgesamt drei Schiffseinsätzen von 1979 bis 1981 leistete die Bundesrepublik Deutschland, wichtigster Aalkonsument in Europa, einen bedeutenden Beitrag zur Erforschung der Ursachen. Zwar haben wir den Jahrgang 1979, der vielleicht zu den schlechten Glasaalfangergebnissen 1982 beigetragen hat, untersucht. Aber wir wissen nicht, wie ein normaler oder gar ein reicher Jahrgang im Sargassomeer aussieht.

Andere wirtschaftlich wichtige Seefischarten wie Hering, Kabeljau und Makrele, werden von mehreren Ländern durch zahlreiche Schiffseinsätze ständig überwacht. Der Aal gehört, hinsichtlich seiner Gesamterzeugung im Weltmaßstab, zu den 8 wichtigsten Fischarten; gemessen am kg-Preis, gehört er sogar zur Spitze. Warum wird er wissenschaftlich nicht ähnlich gut betreut wie andere Fischarten? Der bedeutende wirtschaftliche Wert und das große biologische Interesse sollen alle Hindernisse überwinden.

Aalpost 1983:

Aale im Handel

Speiseaale für den Weiterverkauf marktgerecht aufzubereiten, ist keine 'trockene' Angelegenheit. Die Aalpost beobachtete bei einem der größten deuschen Handelsbetriebe für lebende Speiseaale die Ankunft eines Transportes aus Polen.

Längst ist hier alles bereit für die 6000 kg Aale aus Masuren. Wasserkaskaden brausen aus anderthalb Meter Höhe in die Bassins, die mit ihren 14 m2 jedem Privathaus als Swimmingpool Ehre machen würden. Ein Gebläse pumpt stündlich 125 m3 Landluft durch die 18 Becken. Endlich der erlösende Anruf: Unser überfälliger Transport hat die DDR-Grenze passiert. Eine Stunde später rauschen die ersten 20 Zentner Aale aus dem Tank.

Erst durch Sortieren wird der Aal zur Handelsware. Die Räuchereien wollen strikt einheitliche Partien. Es darf kein magerer Aal dazwischen sein, keiner zu groß und keiner zu klein; kein Blankaal unter Gelbaalen und umgekehrt. Das Sortieren erfordert geübte Augen, große Sorgfalt und ein ausgeprägtes Verständnis für die Wünsche des Marktes. Weil man sich im Großhandel besonders gut auskennt, gibt es hier interessante Gesprächspartner für den Fischer.

Aalpost 1983:

Aalmast in Ungarn

Neben der Bewirtschaftung von Naturgwässern werden in Ungarn nun Warmwasseranlagen gebaut. Da warmens Quellwasser zur Verfügung steht, ist der energiesparende Betrieb auch im Winter gewährleistet. Das Staatsgut Hortobàgy hat die Produktion bereits aufgenommen. Besatzmaterial, technologische Lizenz und Futter stammen aus Großbritannien. Am Plattensee ist ein zweiter Betrieb im Bau, der ab 1983 Glasaale vorstrecken soll. Die bisherige ungarische Aalproduktion von 50 bis 60 t p.a. aus Naturgewässern (vorwiegend Plattensee) soll durch Intensivhaltung verfünffacht werden. Ungarische Aale werden größtenteils in die Bundesrepublik Deutschland exportert.

Aalpost 1982:

Fische sterben leise

Lärm um Gift nützt Fischen nichts; aber er macht denen die Arbeit schwer, die wirklich etwas für Fischbestände tun. Durch manche Zeitungen wurde etwas verschmutzt, das noch empfindlicher ist als unsere Gewässer — nämlich die öffentliche Meinung. 'Elbaale stark verschmutzt' — '50.000 Mark Strafe für Fischer, der Aale verkauft'… das sind Überschriften aus sonst seriösen Tageszeitungen. Sollten Verbraucher da nicht vorsichtig werden? Die Gewässerverschmutzung ist wahrhaft schlimm genug; aber nicht erst seit 1981, sondern seit Jahrzehnten. Doch die Presse tut so, als sei plötzlich der Notstand ausgebrochen, als wären auf einmal alle vom Tode bedroht. In der Existenz bedroht sind die Fischer, und zwar nicht nur die an verschmutzten Gewässern. Dazu Fischermeister Hans Erich Kühl, der in der Nähe von Ratzeburg einige Seen bewirtschaftet: 'Die Journalisten haben die Gewässerverschmutzung einseitig hochgespielt. Damit ist die Fischerei allgemein in Schwierigkeiten gebracht worden.'

Fische sterben leise. Könnten sie in ihrer Todesqual stöhnen und schreien, stünde längst die gesamte Öffentlichkeit auf ihrer Seite. Doch jahrzehntelang setzen sich nur Berufs- und Sportfischer ernsthaft für den Naturschutz unter Wasser ein. Und das wird ihnen noch unnötig schwer gemacht; dazu Erich Kühl: 'Jetzt wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Hätte man schon früher auf uns gehört, wäre das alles nicht passiert! Statt uns zu helfen, beeinträchtig man uns in unserer Arbeit. Doch wir wollen die wenigen verbliebenen Arbeitsplätze unseres uralten Berufsstandes erhalten.'

Der Höhepunkt der Gewässerverschmutzungen scheint jetzt hoffentlich überschritten zu sein. Langsam beginnen die Gesetze Wirkung zu zeigen. Aber dem Sensationsgeschrei gegenüber müssen wir Fischer in aller Sachlichkeit unsere Stimme erheben.

Aalpost 1982:

Gedanken eines Giftzwerges

Endlich hat es geklappt — Giftalarm an der Elbe! Wer einen Aal sieht, denkt gleich an Schwermetalle und Chemie… Zwar verspeist jeder Bundesbürger im Durchschnitt nur 100 Gramm Aal pro Jahr. Und eine Quecksilberbelastung über den zulässigen Wert hinaus ist nur dann gefährlich, wenn man die betroffenen Lebensmittel häufig und regelmäßig ißt. Aber darüber kein Wort, denn als Giftzwerg braucht man den Rummel!

Und genug Menschen lassen sich ins Bockshorn jagen. Wenn die dahinterkämen, daß nur ein Teil der Aale überhaupt Quecksilber enthalten. Und daß sich gespeicherte Gifte in sauberem Wasser rasch abbauen. Ganz zu schweigen davon, daß sich durch Abwachsen der Quecksilberanteil noch weiter verrringert. Doch darin liegt das Können eines echten Giftzwergs: Nur einseitig informieren, wichtige Teile der Wahrheit verschweigen. Und wenn es um die Aale ruhiger werden sollten, haben wir noch andere Nachrichten in unserer Giftküche.

 

Aalpost 1982:

Die Aalkommission

Dieser Arbeitskreis des DFV hat eine weit zurückreichende Tradition. (Ab 1908 sollte die Aalkommission die flächendeckende Versorgung Deutschlands mit Aalbesatz sicherstellen, das übernahm dann die Aalversandstelle.) Seit Neugründung der Aalkommission 1960 werden die dort gehaltenen Vorträge in der Schriftenreihe 'Arbeiten des Deutschen Fischerei-Verbandes' dokumentiert. Nach dem Tode von Dr. Edmund Rehbronn übernahm 1981 der Fischereibiologe Harald Koops die Leitung der Aalkommission. Er stellte sich und allen Mitgliedern die Frage nach den Aufgaben der Aalkommission. Die Diskussion ergab eine neue Zielsetzung: Die Rolle des Aals im Gesamtzusammenhang der Gewässerbewirtschaftung. Der Aal lebt normalerweise nicht isoliert, sondern zusammen mit anderen Fischarten. Welche Wechselwirkungen bestehen tatsächlich gegenüber diesen anderen Fischarten? 'Was wir brauchen, sind Fakten', sagt der neue Vorsitzende bündig.

Die Aalkommission wird getragen
vom Engagegement ihrer Mitglieder und aller Aal-Interessenten

Es ist ein weiter Horizont an Erfahrung, der die Mitglieder der Aalkommission gemeinsam umspannt — sie kommen zu etwa je einem Drittel aus Praxis, Verwaltung und Wissenschaft. Zusammengenommen, hat ihre Arbeit überregionale Bedeutung. Und es sind letztlich die Praktiker, die Berufs- und Sportfischer, die am meisten von der Arbeit der Aalkommission profitieren.

(Mit der Pensionierung von Harald Koops 1992 übernahm dessen Kollege bei der Bundesforschungsanstalt für Fischerei, Dr. Holmer Kuhlmann, die Leitung der Aalkommission.)

 

Aalpost 1981:

Aale vom Fachmann

Wo kommen eigentlich die kleinen Aale her? Bei Satzaalen weiß man es genau — die Aalpost war dabei. Ein Mai-Nachmittag in der Elbmarsch. Die Stör fließt breit und ruhig. In einer Biegung liegt vor Anker der Kutter 'Luise'. Seine Kurrbäume sind weggefiert, die Netze im Strom. Fischer Eberhard Rübcke und sein Decksmann holen Schlaf nach; denn am meisten fangen sie nachts. Teils für die Aalpost und teils, weil unermüdliche Aale auch jetzt marschieren, haben sie ausnahmsweise auch tagsüber gefiert. Bevor der Flutstrom aufläuft, müssen die Netzbeutel an Deck sein. Der Diesel wird angeworfen, die Winde holt Meter für Meter knirschende und tropfensprühende Leine ein. Eberhard Rübcke hat die Satzaalfischerei von seinem Vater gelernt. Er weiß, wann die Aale laufen, wo sie laufen, wie sie gefangen werden: Im Frühling, wenn sie herauskommen, bei ablaufendem Wasser; und im Herbst, wenn sie sich zurückziehen, bei auflaufender Flut.

Der Netzbeutel, vielleicht anderthalb Zentner schwer, kommt an Deck. Hellblinkende Schnürsenkel winden sich durch die Maschen, einige fallen aufs nasse Deck, machen sich durch die Speigatten davon. Der Fang rauscht in vorbereitete Gefäße. Der Fang? Zunächst sind es vor allem Stichlinge und kleine Weißfische. 'Die Aale stecken weiter unten', sagt der Fischer. Mit bloßen Händen schaufelt er vorsichtig den Beifang über Bord. Jetzt wird das Gewimmel aalhaltig. Da - er greift einzelne Aale, wirft sie über Bord. Warum? Eberhard Rübcke: 'Hier, ein Geschwür; und dieser mit dem Blumenkohl.' Ein rötliches Gewächs am Maul. 'Als mein Vater hier noch fischte, gab es kaum Krankheiten. Heute ist die Zahl noch gerade erträglich — aber was wird in Zukunft?'

Die gefangenen Satzaale wandern in die Bünn. Der mit feinmaschigem Netz ausgekleidete Fischraum wird vom Flußwasser durchströmt. Zwei Stunden später läuft Kutter 'Luise' mit der Flut stromauf, zum Landungssteg neben der Fähre. Hier wartet schon ein blauer LKW mit der Aufschrift auf der Heckklappe: 'Lebende Aale aus Hamburg'.

 

 

Aalpost 1981:

Blumenkohl

Eine Aalkrankheit, die längst bekannt ist, aber in jüngster Zeit häufiger auftritt. Wodurch entstehen die Wucherungen — und welche Folgen haben sie? Besteht Ansteckungsgefahr für Menschen oder Fischbestände? Dr. Gabriele Peters von der Universität Hamburg antwortet der Aalpost:

Der sogenannte 'Blumenkohl' ist ein Papillom, d.h. ein gutartiger Tumor, der innerhalb weniger Monate zu einer taubeneigroßen dunkelgrau-roten, blaßrosa oder auch schwarzen Geschwulst heranwachsen kann. Die Wucherungen entstehen meist am Schnauzenrand oder am Kopf, seltener an Rumpf oder Flossen. Die meisten Geschwulste finden sich bei ca. 20 cm langen Aalen, die bereits 3 bis 4 Jahre in den Unterläufen der Flüsse leben. Die Verbreitung der Papillomatose beschränkt sich merkwürdigerweise auf die nordeuropäischen Küsten und Flußmündungen, also auf brackige Gewässer. Der häufigste Befall und die größten Wucherungen treten zwischen Juli und September auf. In der Elbe schwankt der Befall in den letzen Jahren (vor 1980) zwischen 5 % in den kalten und 20-30 % oder mehr in den warmen Monaten. Im Experiment ließ sich nachweisen: Bei 20 °C wachsen die Tumoren rapide, bei weniger als 8 °C schrumpfen sie.

Rascher Rückgang bei Besatz von Binnengewässern

Wo bleiben die erkrankten Tiere, die im Sommer angetroffen werden? In der Natur werden erkrankte (und geschwächte) Aale die Beute größerer Räuber. Manche werden die Geschwulst verlieren oder ganz zurückbilden und gesunden. Ein rascher Rückgang hoher Befallszahlen ist zu beobachten, wenn Binnengewässer mit Tumoraalen besetzt werden.

Die Krankheit hat übrigens einen deutlichen Aufschwung genommen: Um die Jahrhundertwende wurde sie nur vereinzelt erwähnt; bald nach dem 2. Weltkrieg waren im Sommer etwa 5 bis 10 % der gefangenen Satzaale befallen. Trotz intensiver Forschung konnte bisher niemand einen einzelnen Auslöser dieser Krankheit dingfest machen. Wie für andere Geschwulste bei Mensch und Tier scheint es keinen alleinverantwortlichen Schuldigen zu geben.

Für die Satzaalfischerei stellt die Blumenkohlkrankheit eine große Belastung dar, weil die betroffenen Fische aussortiert werden müssen. Für den Besatz von Flußläufen und Seen besteht keine Gefahr, da nur gesundes Material geliefert wird und im Süßwasser keine neuen Geschwulste entstehen. Verbraucher können ebenfalls unbesorgt sein, denn ansteckend ist die Krankheit nicht — sie läßt sich nicht einmal von Fisch zu Fisch übertragen.

Aalpost 1980:

Bis zu 1000 Kilometer unterwegs sein zwischen Salz- und Süßwasser
ist für Aalbrut schwerer Stress

Eine Erholungspause mit gleichzeitiger Entfernung aller durch den Tansport geschädigten Fische ist daher vor dem Einbringen in die Gewässer unbedingt erforderlich. Aus mehr als siebzigjähriger Erfahrung mit Aal-Nachwuchs hat der Deutsche Fischerei-Verband deshalb längst für Aalbesatz die Zwischenhälterung eingeführt. Sie erfolgt in der technisch hervorragend ausgerüsteten Hälteranlage der Aalversandstelle in Halstenbek bei Hamburg.

Bei der Aalversandstelle gelten 24 Stunden in sechs Mal erneuertem, ständig sauerstoffangereichertem Wasser als Mindestnorm.

Weil wir unseren Abnehmern nur hochwertige Ware liefern, kaufen wir nicht nach dem Preis, sondern nur nach der Qualität ein. Wir überzeugen uns persönlich, daß die Aalbrut in jeder Phase vom Fang bis zur Auslieferung äußerst pfleglich behandelt wird.

Aalpost 1979:

Satzaale — vorgestreckt in natürlicher Umwelt

Geeignet für alle Aal-Gewässer; besonders interessant, wenn bald fangreife Fische erwartet werden.

Zwischen der Aalbrut und den seit langem bekannten Satzaalen aus norddeutschen Flüssen gibt es eine weitere Entwicklungsstufe: die im Aufzuchtbetrieb vorgestreckte Aalbrut. Glasaale werden in angewärmtem Wasser reichlich gefüttert, so daß sie wesentlich schneller abwachsen als in der Natur. Durch dieses Verfahren lassen sich nicht nur raschere Ergebnisse erzielen, sondern man wird auch unabhängig von der Fangsaison und kann Aale 'nach Maß' liefern… Darüber hinaus wird die Gesundheit der Tiere ständig überwacht. Bei vorgestreckter Aalbrut dürfte der Weibchenanteil praktisch gleich sein wie bei Glasaalen. Doch auch bei klassische Satzaalen, die zwei Jahre unter völlig natürlichen Bedingungen herangewachsen sind, die nieh gefüttert wurden und sich stets vor Feinden in acht nehmen mußten, ist das Geschlechterverhältnis nicht anders. Das haben in den schleswig-holsteinischen Seen durchgeführte Besatzmaßnahmen gezeigt.

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