| Aalpost 1999:
Farmaale haben zwei Geschlechter
Ab und zu hört man den Verdacht, daß Aalfarmen vor allem schwachwüchsige Fische als Besatz verkaufen. Dr. Holmer Kuhlmann, Biologe der Bundesforschungsanstalt für Fischerei, schreibt dazu für die Aalpost: Das Geschlecht des europäischen Aales unterliegt zwar auch dem Einfluß seiner Erbanlagen, doch zum überwiegenden Teil wird es von Umweltbedingungen beeinflußt. Welche Faktoren in welche Richtung wirken, ist noch weitgehend unbekannt; völlig unübersichtlich wird die Entwicklung, wenn mehrere Faktoren zuammenwirken. Experimente ergaben, daß hohe Besatzdichte (und möglicherweise damit verbundene schlechtere Wasserqualität) zu einem größeren Männchenanteil führen. Hohe Temperaturen und gutes Nahrungsangebot verursachen einen stärkeren Weibchenanteil. Auch in der Natur findet man regional unterschiedliche Geschlechterverteilungen. Unklar ist hier allerdings, ob die Geschlechter durch örtliche Umweltbedingungen ausgeprägt wurden, oder ob entsprechendes Wanderverhalten zur Häufung von Männchen oder Weibchen führt.
Erwiesen ist: Bis zu einer Länge von ca. 18-25 cm legen Aale beide Geschlechter gleich an, sie sind also 'Zwitter im Wartestand'.
Erst ab der genannten Länge des Aals degeneriert der eine oder der andere Zelltyp (Hoden oder Ovar), und ein Geschlecht gewinnt die Oberhand. Die endgültige Reifung erfolgt bekanntlich erst während der Laichwanderung in die Sargassosee.
Die Behauptung, Satzaale aus Farmen bestünden überwiegend aus Männchen, ist falsch. Das steht fest für Aale unterhalb der Größe 18-25 cm. Andererseits stimmt es, daß sich Glasaale überwiegend zu Männchen entwickeln, wenn sie in Kreislaufanlagen bis zu Speiseaal-Größe aufgezogen werden. Weil die Aalversandstelle ausschließlich mit Farmen zusammenarbeitet, die Glasaale nur bis Satzaalgröße aufziehen und keine Speiseaale produzieren, ist der angebotene Besatz geschlechtlich undifferenziert. Wer Farmaale in Größen 18-25 cm bezieht, kann sicher sein, daß bei diesen die Geschlechter noch nicht festgelegt sind.
Aalpost 1999:
Aalbesatz, der Aalen schadet
Auf dem deutschen Markt wird Nachwuchs des amerikanischen Aals als 'Besatz' angeboten. Dipl.-Biologe Dr. Manfred Klinkhardt hat fachliche Bedenken: Äußerlich scheinen Anguilla rostrata und der heimische Aal zwar völlig identisch, ihre Lebensweise ist nahezu gleich, und die jüngsten Entwicklungsstadien beider Arten leben nahe beieinander im Atlantik. Ungewollte 'Kreuzungen' sind ausgeschlossen, weil Aale in Europa nicht laichen.
Doch gerade von den ähnlichen Lebensansprüchen beider Aal-Arten gehen Gefahren aus: Amerikaner und Europäer besetzen annähernd die gleichen ökologischen Nischen und haben weitgehend vergleichbare Ansprüche hinsichtlich Nahrung und Umwelt aber völlig identisch sind sie nicht! Niemand kann ausschließen, daß US-Aale unter mitteleuropäischen Verhältnissen sogar besser zurechtkommen als die heimischen Tiere. Es würde schon ausreichen, wenn sie unter unseren Temperaturbedingungen länger aktiv bleiben könnten und mehr fressen, eventuell sind ihre Geruchsorgane etwas empfindlicher, oder sie stürzen sich schneller auf ihre Beute. Wer weiß schon, wie sich unser Aal gegen diese Konkurrenz behauptet? Unsere Gewässer sind zu schade für derartige Freilandversuche, darum Finger weg von Fremdarten! Deren attraktiver Preis steht in keinem Verhältnis zu den Kosten, die durch Folgeschäden unbedachter Besatzaktionen anfallen können. Wer amerikanischen Aalbesatz bei uns anbietet, mag sich für clever halten. Wenn er jedoch die Risiken kennt, denen er die heimische Fischwelt damit aussetzt, handelt er skrupellos.
Aalpost 1998:
Aalbrut-Preise vor einem Gipfel bringen Marktkräfte Erleichterung?
In den letzten Jahren sind die Aalbrut-Preise auf ungeahnte Höhen geschossen, weil die Farmen in Ostasien anscheinend jeden Preis dafür bezahlten. Doch es gibt Anzeichen für ein Verlangsamen des Preisanstiegs. Die Preisentwicklung bei europäischer Aalbrut hatte in den letzten Jahren wahrhaft fürchterliche Züge. Ein Ende des geordneten Aalbesatzes in Europa war abzusehen. Bis zu 700 Mark wurden für ein Kilogramm Glasaale bezahlt. Aalfarmen in Fernost produzieren anscheinend auf Teufelkommraus Aale für Japan. Im letzten Jahr soll China 60.000 Tonnen Speiseaal produziert haben, davon allein 50.000 t europäischen Aal, im kommenden Jahr rechnet man mit einer Steigerung dieser Menge um 10.000 t. Die japanische Gesamtnachfrage liegt bei jährlich 100 bis 120.000 Tonnen Aal.
Japanischer Bedarf mehr als gedeckt
Fachleute schätzen, daß die Gesamtproduktion von Speiseaal in Japan, China, Taiwan und Südkorea die japanische Nachfrage bereits um 10 % übertrifft. Das wirkt sich auf den Preis aus: In den letzten 4 Jahren fiel der Preis für Speiseaal von umgerechnet ca. 35 Mark pro kg auf ganze 11 Mark. Die realen Produktionskosten dürften nicht wesentlich geringer sein als in Europa, ein britischer Experte schätzte sie auf 8,7 bis 13,1 TDM pro Tonne.
Globalisierung verstärkt die Probleme und den Zwang zur Lösung
Nach diesen Zahlen müßten europäische Aalfarmer mit der fernöstlichen Konkurrenz mithalten können theoretisch! Praktisch ist zu befürchten, daß Speiseaale aus China, wie schon in der Aalpost 1997 prophezeit, zu Dumpingpreisen auf dem europäischen Markt angeboten werden. Doch dann steckt die europäische Aalwirtschaft in der Klemme zwischen teurer Aalbrut und billigen Speiseaalen. Die Lösung des Problems tut Not. Zwar gibt es keine Patentlösung, wohl aber ein Bündel von Maßnahmen, die zusammen vielleicht etwas bewirken:
1. Überwachung und Kontrolle der Aalbrutaufkommen; zum Besatz geeignete Aalbrut muß in Europa bleiben.
2. Sparsamster Umgang mit der Ressource Aalbrut, das bedeutet Aufzucht der Glasaale zu Besatzzwecken in gut geführten Farmen.
3. Besatz aller aalgeeigneten Gewässer.
4. Besserer Schutz aufwachsender Aale vor Kormoranen und abwandernder Blankaale vor Turbinenschäden.
Aalpost 1997:
Die Gelbe Gefahr
Rund die Hälfte der zu Besatz bestimmten Aalbrut vom Atlantik wird nach Fernost verkauft. Aalfarmen in Ostasien überbieten alle Preise. Bricht in Deutschland der geordnete Aalbesatz wegen überhöhter Aalbrutpreise zusammen?
In der Saison 1996 konnte die Aalversandstelle erstmals keine Aalbrut als Besatz liefern, weil der Preisanstieg alle Dämme durchbrach. Durch den langen, kalten Winter 95/96 waren weniger Glasaale gefangen worden, und gleichzeitig haben Aufkäufer aus Fernost alle bisher denkbaren Preise überboten. Die Einkaufspreise am Atlantik stiegen wöchentlich um ca. 50 Mark, bis sie über 600 Mark pro kg erreichten.
Wie kommt es zu der gewaltigen Nachfrage aus Fernost?
In China, Taiwan, Korea und Malaysia wurden und werden riesige Aalfarmen gebaut, die unter anderem für den japanischen Markt produzieren. Nach Schätzungen verbrauchen die Japaner mindestens 100.000 Tonnen Aale im Jahr (Europäer zusammen etwa 25.000 Tonnen). Für die Kapazität der riesigen Farmen reicht das Aufkommen des japanischen Aals (Anguilla japonica) bei weitem nicht aus. So hat man den europäischen Aal 'entdeckt'.
In der Saison 1996 wurden vermutlich 200 bis 300 Tonnen Aalbrut nach China verkauft, das ist etwa die Hälfte der für Besatz verfügbaren Glasaale. Die Beratungsgruppe EIFAC/FAO schätzt, daß bereits lange vor dem Eintreffen der ersten 97er Glasaale am Atlantik Bestellungen aus China über 250 Tonnen Aalbut vorlagen, wobei China dafür bis zum Dreifachen des europäischen Marktpreises geboten haben soll.
Europäische Interessenten proben den Aufstand
Mehrere europäische Staaten haben auf EU-Ebene interveniert. Die Aalkommission des Deutschen Fischerei-Verbandes hat sich über den Präsidenten des DFV an den Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gewandt mit der Bitte, auf EU-Ebene Hilfe zu leisten. Der Sportfischerverband Weser-Ems hat sich mit einer Resolution direkt an die EU und das Europaparlament gewandt. Aus England wird angeführt, daß Exportbeschränkungen aufgrund internationaler Verträge (GATT) kaum durchführbar seien. Ein vielleicht gangbarer Weg, die Aalbrut-Exporte kurzfristig zu verringern, könnte das Pochen auf Arterhaltung des europäischen Aals sein mit großen Nachteilen für die Fischerei
Aalpost 1996:
Die entscheidenden Kilometer
Über 6000 Kilometer wandern junge Aale auf natürliche Weise Richtung Europa. Die letzte Etappe ihrer Wanderung sind sie auf menschliche Hilfe angewiesen, und hierbei können sie mehr gefährdet sein als auf der ganzen langen Strecke zuvor.
Aalgerechter Transport einschließlich der notwendigen Zwischenhälterung ist ein Anliegen der Aalversandstelle seit ihrer Gründung. Bis in die 60er Jahre wurden mindestens 95 % der Aalbrut und Satzaale mit der Bahn befördert. Dann stellte man die Transporte schrittweise auf LKW-Beförderung um: Tanks und Sauerstoffpumpen wurden auf LKW-Ladeflächen montiert und immer wieder verbessert, bis der heutige hohe Standard erreicht war. Die Lieferungen erfolgen heute auch als Sammeltransporte, in denen verschiedene Ziele auf einer Fahrt kombiniert werden und die einzelnen Bezieher kleine Besatzmengen an vereinbarten Treffpunkten abholen.
Die Umstellung vom Bahn- auf den LKW-Transport und die Entwicklung der technischen Voraussetzungen dazu waren kaum zu früh perfektioniert worden. Ab 1995 lehnt die Deutsche Bahn AG es generell ab, lebende Tiere zu befördern. Versuche mit Paketdiensten brachten kein befriedigendes Ergebnis, weil die Fische, auch wenn es noch so schnell geht, nicht wie Pakete behandelt werden können. Auch die Post befördert seit 1.7.95 keine lebenden Tiere mehr. So werden moderne LKW der Aalversandstelle das einzige aber zugleich optimale Transportmittel der Zukunft für die entscheidenden Kilometer der Wanderung unserer Aale sein.
Für Hochseeangler: Es gibt Angelvereine aus dem Binnenland, die auf dem Rückweg von Hochseeangeltouren ihren Aalbesatz gleich mitnehmen. Eine umweltgerechte Transportmethode, die nach Absprache möglich ist.
Aalpost 1995:
Elbe gut alles gut?
Vor sechs Jahren wäre schon die Überschrift dieses Beitrags als Wunschdenken belächelt worden, heute gibt es Grund zur Hoffnung, daß die Elbe wieder ein reiner Fluß mit guten Aalbeständen wird. Ein Kieler Forscherteam, das die Elbe seit langem regelmäßig untersucht, hatte im Frühsommer 1994 nahe der Hamburger Stadtgrenze eine Stelle mit ungewöhnlich hohem Aalbestand entdeckt. Das sprach sich rasch herum. Alles was Netze hatte, machte die Boote klar, und ein 'Aalrausch' setzte ein. Neben Speiseaalen bis 1 kg und mehr wurden auch reichlich Satzaale gefangen, alle von bester Qualität. Erst als das Wasser für schadloses Hältern zu warm wurde, stellte man die Satzaalfischerei ein.
Wäre ein 'Fluß des Jahres' zu ernennen, könnte man getrost die Elbe wählen. Seit 1990 hat sich ihre Wasserqualität kontinuierlich verbessert. 'Es geht weiter bergauf mit der Elbe, von einer Genesung können wir allerdings noch nicht sprechen', sagt Dr. Heinrich Reincke von der Wassergütestelle Elbe in einem Interview anläßlich des 6. Magdeburger Gewässerschutzseminars, das im November 1994 in Cuxhaven stattfand. Zahlreiche Betriebe der damaligen CSSR und DDR leiten keine Schadstoffe mehr ein oder haben die Einleitungen z.B. durch Kläranlagen drastisch reduziert. Man ist mit den betreffenden Betrieben im Gespräch und hofft, fortschrittliche Sanierungstechnologien von der Unterelbe nach Tschechien zu transferieren.
Die Aalpost fragte Fischermeister Christian Köthke in Gorleben, wie er sein Hausgewässer sieht. 'Die Fischbestände der Elbe erholen sich langsam wieder. Die günstigen Hochwasserverhältnisse 1994 haben sehr dazu beigetragen. Die Staustufe in Geesthacht ist bei Hochwasser für Aale leichter zu überwinden, im übrigen bildet Hochwasser den für Aale notwendigen Lockstrom.' So sind in diesem Jahr erstmals seit langem wieder Aale auf natürliche Weise bis in die Tschechische Republik gewandert.
Schlüsselproblem für künftige Aalbestände der Oberelbe ist der Besatz. Die wenigen Berufsfischer am Fluß können flächendeckenden Besatz so wenig durchführen wie einzelne Anglervereine oder die Nebenerwerbsfischer. Deshalb sind die fünf elbanliegenden Bundesländer gefordert, auf Landesebene den Besatz über die ganze Länge zu organisieren. Weil dort aber nichts geschieht, sollten sich alle Beteiligten überlegen, ob sie sich zusammenschließen und den Ländern 'Druck' machen sollten. Die Elbe und die Aale wären es wert.
Aalpost 1993:
Tödliches Roulett für Aale
Staustufen blockieren die Aalwanderung in deutschen Flüssen. Der Besatz mit Jungaalen ist (noch) nicht gefährdet. Aber die Laichwanderung der Blankaale wird an vielen Stellen gestoppt. Wehre machen das Weiterkommen unmöglich oder sie lassen nur einen Weg: durch die Schaufeln einer Turbine. Das Problem ist bekannt; es gibt nun Nachrichten, die hoffen lassen.
Wenn Blankaale im Herbst zu wandern beginnen, wartet auf viele nicht das Meer, sondern der Tod: Turbinenschaufeln brechen ihnen das Rückgrat oder hacken sie in Stücke. Verengt man den Durchfluß des Treibgutrechens vor der Turbine auf 20 mm, können sich Aale bis 25 mm noch durchschlängeln; dickere Aale können zurückweichen, wenn die Fließgeschwindigkeit 30 bis 50 cm/s beträgt. Werden sie mit einer Strömung von 100 cm/s und mehr an den Rechen gepreßt, gibt es kein Entkommen; sie werden vom Wasserdruck zerquetscht.
Am Main werden Turbinenschäden seit den 30er Jahren beklagt. Hier gibt es 27 Staustufen auf 300 km Flußlänge. An anderen Flüssen ist es ähnlich. Von 100 Blankaalen, die in der Nähe Stuttgarts ihre Laichwanderung beginnen, erreichen 99 nicht das Meer, berichtete Dr. Rainer Berg aus Langenargen in einem Vortrag. Nicht nur Wasserkaftwerke sind gefährlich. Von anderen Kraftwerken, gleich welchen Typs, können Fische mit dem Kühlwasser angesaugt werden. Experten vermuten, daß weit mehr Aale durch Turbinen vernichtet als durch die Fischerei entnommen werden. Angler bezichtigt man der Tierquälerei, wenn sie Fische im Setzkescher hältern. In Turbinen werden zur Zeit der Aalwanderung - tonnenweise Aale zerhackt oder erleiden schwerste innere Verletzungen.
An der Fulda kämpft ein Mann seit über 10 Jahren für bessere Wandermöglichkeiten der Blankaale. Karl Ebel, Vorsteher der Fischereigenossenschaft Münden, dokumentiert die Schäden, er erinnert Kraftwerksbetreiber, Behörden und Politiker immer wieder an den Tierschutz. Seine Mitstreiter und er wollen keinen 'Ersatz', sondern Erhaltung der kostbaren Aale. Ebel fotografierte und veröffentlichte Bilder grauenhaft zerstückelter Aale, die durch den Treibgutrechen mit 60 mm Durchlaß in die Turbine gelangten. 1991 wurde der Durchlaß endlich auf 20 mm reduziert; aber zur Jahreswende 1991/92 zeigt sich das Problem von einer anderen Seite: Statt zerhackt, wurden die Aale vom Wasserdruck stranguliert. Ebel alarmierte den Kraftwerksbetreiber, die Polizei, Behörden und Politiker. Dr. Dietmar Schultze vom Hessischen Landesamt für Ernährung schuf die Grundlagen eines erfolgreiches Experiments: Durch Anheben einer Wehrklappe und Drosselung der Turbine konnten Tausende Aale die Staustufe schadlos passieren.
Seit über 10 Jahren sind Fänge von Aalbrut und Satzaalen in deutschen Gewässern drastisch zurückgegangen. Um so wichtiger ist jeder Aal, der laichreif in Richtung Sagassosee ziehen kann. Die Aalpost dankt Karl Ebel und seinen Mitstreitern und wünscht ihm viel Erfolg!
Aalpost 1993:
Aal-Pubertät dauert ein halbes Leben
Über die Entwicklung der Geschlechter bei Aalen gibt es zum Teil abenteuerliche Vermutungen. So wird behauptet, daß in Farmen vorgestreckte Aalbrut überwiegend männlich sei. Was haben neutrale Wissenschaftler dazu zu sagen? Die Aalpost fragte Dr. Holmer Kuhlmann von der Bundesforschungsanstalt für Fischerei. Bei der Geschlechterfrage muß man zunächst scharf unterscheiden zwischen Speiseaalen und Besatz. Aale zum Besatz sind noch nicht erwachsen, sie haben eine relativ lange Entwicklungs- und Wachstums-Zeit in Naturgewässern vor sich. Zwar gilt es als Tatsache, daß in Kreislaufanlagen zu Speisefischgröße aufgezogene Aale überwiegend männlich sind. Das berechtigt aber nicht zu der Annahme, daß auch vorgestreckte Glasaale für den Besatz mehrheitlich Männchen werden.
Aale entscheiden sich erst spät für ihr Geschlecht. Aus dem Glasaalstadium entwickeln sich Aale zunächst in Richtung Weibchen. Nach diesem Start durchlaufen fast alle Aale ein Zwitterstadium mit Anlagen für Männchen und Weibchen. Erst später beginnen die 'männlichen' oder die 'weiblichen' Zellen, sich langsam zurückzubilden, so daß der jeweils andere Zelltyp die Oberhand gewinnt. Diese Entwicklung läuft unabhängig vom Alter, sie ist ausschließlich längenabhängig: Die erste Geschlechts-Differenzierung setzt nicht vor ca. 15 cm Länge ein, das endgültige Ergebnis aber kann lange offen sein, Dr. Kuhlmann: 'Ich selbst habe beobachtet, daß sich die Entwicklung zu einem Geschlecht noch spät ändert, und wir kennen auch entsprechende Fälle aus der Literatur.'
Praktische Untersuchungen... Nach dem heutigen Wissensstand ist davon auszugehen, daß das Geschlecht der Aale durch Umweltfaktoren beeinflußt wird. Diskutiert werden z.B. Wassertemperatur, Besatzdichte und Ernährung. Welchen Einfluß jeder einzelne Faktor für sich oder gar in Gefüge mit anderen hat, ist bis heute nicht erwiesen. In Kreislaufanlagen könnte es z.B. sein, daß sich im Wasser bestimmte Stoffwechselprodukte oder körpereigene Stoffe der Aale sammeln und anreichern, welche die Männchenbildung fördern. In natürlichen Gewässern aber herrschen vielfache Kombinationen von geschlechtsbeeinflussenden Faktoren, so daß es auch vom Gewässer abhängt, zu welchem Geschlecht sich dort ausgesetzte Aale (gleichgültig, ob Glas-, Satz- oder Farmaale) entwickeln.
Warum Aalbrut durch Vorstrecken gewinnt. Es ist wahrscheinlich, daß vorgestreckte Aale in der Natur besser aufkommen als fangfrische Glasaale, weil sie schon größer und robuster sind und zu einer für die Fische günstigeren Jahreszeit zum Aussetzen zur Verfügung stehen. Die Fähigkeit zur Futtersuche und zum eigenen Schutz steckt in jedem Aal, denn Aale sind Wildtiere, die ihre ererbten natürlichen Verhaltensmuster nicht so leicht ablegen.
Aalpost 1993:
Den Unterschied bei Mann und Frau...
...sieht man durchs Schlüsseloch genau - reimte Joachim Ringelnatz. Bei Aalen bis mindestens 15 cm Länge hilft nicht mal ein Mikroskop: Kein Mensch kann das spätere Geschlecht in diesem Stadium sicher feststellen. Und nur beim ausgewachsenen Blankaal können Fachleute den kleinen Unterschied auch 'äußerlich' erkennen. Die Aalpost sagt alles Wichtige über Geschlechtererkennung.
Bei Aalen ab ca. 15 bis 25 cm Länge können Fachleute durch Öffnen der Bauchhöhle und mikroskopische Gewebeprüfung feststellen, zu welchem Geschlecht das Tier wahrscheinlich tendieren wird. Aber auch jetzt ist in fast allen Fällen noch nichts entschieden. Erst beim Blankaal steht fest, ob es sich um Frau oder Herrn Aal handelt: Blankaale bis ca. 42-45 cm sind fast immer Männchen. Sobald ein Blankaal größer ist, kann man mit Sicherheit annehmen, daß es sich um ein Weibchen handelt.
Was sind eigentlich die sicheren Kennzeichen des Blankaals? Dem erfahrenen Aalsortierer genügt der Gesamteindruck; aber es gibt auch objektiv bestimmbare Merkmale:
- Die Brustflossen sind spitz und schwarz (vorher sind sie graugrün).
- Das Schuppenkleid ist an der Bauchseite silbrig-glänzend oder bronzefarbig (vorher gelblich);
man erkennt beim Blankaal die einzelnen Schuppen, beim Gelbaal dagegen nicht.
- Die Augen sind größer, im Vergleich mit Gelbaalen deutlich zu sehen.
- Die Bauchlappen sind fühlbar dicker und muskulöser (Gelbaale haben ein dünnes Bauchfell).
Aalpost 1992:
Unterwegs mit lebenden Aalen
Ist es sinnvoll, kleinere Aaltransporte selbst durchzuführen? Der Aalpost-Reporter nahm auf einer Fahrt nach Sachsen-Anhalt eine Sendung vorgestreckter Farmaale mit. 'Bei ersten Stau fiel mir das Geräusch noch auf: Ein platschendes Spaddeln im Auto? Ach ja, die Aalkisten hinten im Kombi. Einige Tausend stramme 'Schnürsenkel', kiloweise mit etwas Eis und reichlich Platz in Spezialbehälter verpackt, als ergänzender Besatz für mitteldeutsche Angelgewässer bestimmt. Wie sahen die Fische nach 5 Stunden im Auto aus? Ich war genau so gespannt wie die Abordnungen der Vereine, die ihren Besatz jetzt im Hof des Verbandsheimes entgegennahmen. Die Aale waren buchstäblich springlebendig und nur mit Mühe daran zu hindern, ihre geöffneten Kisten schon vorzeitig zu verlassen. Deckel zu, und ab ging's in die neuen Reviere.
Eigentransport - eine sinnvolle Alternative? Für begrenzte Zeit, erfahrungsgemäß etwa 6 bis 8 Stunden, können Aalbrut und Farmaale auch ohne Wasser transportiert werden, wenn sie optimal untergebracht sind: Sie müssen in richtiger Menge und mit genau dosierter Feuchtigkeit verpackt werden. Bei länger dauernden Transporten sind Spezialfahrzeuge mit viel Wasser und Belüftungstechnik unerläßlich.
Es gibt immer mehr Vereine, die sich eigene Transportmittel zugelegt haben, um Fische (nicht nur Aale) selbst zu transportieren; das zahlt sich immer aus. Wer Aalbesatz selbst abholen will, muß daran denken, daß das Verteilen an die einzelnen Ziele seine Zeit braucht, und daß man heute unbedingt eine Zeitreserve wegen des gestiegenen Verkehrsaufkommens einplanen muß.
Selbstabholung kann besonders für Bezieher in den neuen Bundesländern interessant sein, und das nicht nur aus Kostengründen - denn Hamburg bei Tag oder Nacht ist bekanntlich auch eine Reise wert...
Aalpost 1991:
Vorgestreckte Aalbrut auf Anhieb angenommen
Die Erweiterung des Besatzangebotes mit Farmaalen geschah gerade zur rechten Zeit: Nach acht Jahren mit schwachem Aalbrutaufkommen vor deutschen Küsten werden nun auch die Satzaale knapp. Weil zugleich einige Satzaalfischer den Betrieb aufgaben, wurde die Beschaffung von Satzaalen schwierig.
Wir vom Deutschen Fischerei-Verband haben dies kommen sehen und Vorsorge getroffen im teilweise noch stark fluktuierenden Kreis der Aalfarmen wurden in den letzten Jahren Lieferpartner gesucht und stabile Beziehungen aufgebaut, so daß wir vorgestreckte Aalbrut zur gewünschten Zeit als 'verläßlichen' Besatz anbieten können verläßlich hinsichtlich Lieferbereitschaft und Qualität. Unsere Partner haben sich, gestützt auf die Erfahrung der Bundesforschungsanstalt für Fischerei und auf unsere Hilfe, extra auf die Belange des Besatzes eingestellt. Es gibt zwar genug Lieferanten, die eine Aalfarm betreiben, aber nur die wenigsten erfüllen unsere Qualitätskriterien.
Aalpost 1990:
Farmaale zum Besatz? Ja, aber richtig!
In der Aalpost 1980/81 war sie schon einmal angeboten: durch Intensivmast vorgestreckte Aalbrut. Sie verschwand wieder aus dem Programm der Aalversandstelle, weil Zeit und Qualität noch nicht reif waren. Jetzt können vorgestreckte Glasaale aus gut geführten Farmen für den Besatz empfohlen werden.
Weil Aalbrut ausbleibt, sind auch die Satzaalfänge rückläufig. Die Preise steigen, und mancher überlegt, ob Aalbesatz überhaupt noch lohnt. Wer eine Aalfarm aufgebaut hat, darf nicht überlegen: Er muß um jeden Preis Aalbrut kaufen und versuchen, die sechsstellige Investition seiner Anlage rentabel zu machen (so erklärt sich, daß Aalbrut in den letzten Jahren unverschämt teuer geworden ist).
Jeder weiß, daß einige Aale nicht wachsen. Sie bleiben klein und blockieren die Becken, wenn alle anderen längst vermarktet sind. Auch diese Kleinen müssen verkauft werden aber wie? Man könnte sie vielleicht als 'günstige Partie Besatzfische' anbieten (aha!). Das spricht nicht generell gegen Farmaale als Besatz, sondern für Vorsicht. Vom ehrlichen Lieferanten gekaufte Farmaale bieten auch Vorteile:
Besatz im Vergleich
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Aalbrut
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Satzaale
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Vorgestreckte Aalbrut
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Pro
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Pro |
Pro |
| Hohe Stückzahl je kg |
Lieferbar Frühjahr bis Herbst |
Das ganze Jahr über lieferbar |
| Geringer Transportaufwand |
Preise übersehbar |
Aus überwachten Beständen |
| Relativ geringer Stückpreis |
An Naturnahrung gewöhnt, |
Gleichmäßig sortiert |
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geringe Stückverluste |
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Contra
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Contra |
Contra |
| Steigende Preise |
Geringe Stückzahl je kg |
Vorsicht: |
| Oft frühe Liefertermine, |
Besatz wird in den meisten |
Nichtwachsende Beckenhüter |
| saisonabhängig |
Bundesländern nicht ge- |
Preis vom Aalbrutpreis abhängig |
| Hohe Stückverluste in |
födert |
Längere Eingewöhnungszeit |
| raubfischreichen Gewässern |
Nicht parasitenfrei |
erforderlich |
Auch Aalfarmen können von uns vorgestreckte Aalbrut als Besatz beziehen. |